Geschichte zur Homöopathie

 

Am 10. April 2005 feierten die Homöopathen den 250. Geburtstag von Samuel Friedrich Christian Hahnemann, den Begründer der Homöopathie.

Er war Arzt und Chemiker. Aber er übte zu der Zeit, in der er die Homöopathie entdeckte, den Arztberuf nicht aus, um, wie er selbst sagte, nicht länger Gefahr zu laufen „Schaden anzurichten“. Zu dieser Zeit waren Aderlass und ähnliche Therapien gang und gäbe und viele Patienten starben eher an der medizinischen Behandlung als an der Krankheit selbst. Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungen von medizinischer Literatur. Hahnemann war ein kritischer Mensch. Er übersetzte nicht einfach Bücher, sondern er gab auch seinen „Senf“ dazu, d. h. er prüfte die Aussagen und teilweise war es so, dass die Bücher mehr Anmerkungen des Übersetzers aufwiesen als ursprünglichen Text.

Und als er im Jahr 1790 die Materia Medica des schottischen Professors Cullen übersetzte und er auf eine ausführliche Abhandlung über die Heilwirkung von Chinarinde bei Behandlung der Malaria stieß, tat Hahnemann etwas, was die Homöopathie begründete. Er prüfte die Chinarinde. Die erste Arzneimittel­prüfung. Er nahm die Chinarinde ein, um zu sehen, welche Wirkung sie habe. Dabei stellte er fest, dass er die Symptome der Malaria entwickelte, solange er die Chinarinde einnahm. Hörte er damit auf, verschwanden die Symptome. Daraus folgerte er, dass, wenn ein Gesunder die Symptome der Chinarinde entwickelte, wenn er sie einnahm, diese einen Kranken heilen müsste. Und nicht, wie Cullen behauptete, der bittere Geschmack zu einer Heilung führt. Hahnemann schreibt dazu Jahre später im

Organon § 20:

 

„Diese im Innern der Arzneien verborgene geistartige Kraft, das Befinden umzuändern und daher Krankheiten zu heilen, ist an sich auf keine Weise mit bloßer Verstandesanstrengung erkennbar. Bloß durch ihre Äußerungen beim Einwirken auf das Befinden lässt sie sich in der Erfahrung – und zwar deutlich – wahrnehmen.“

 

Nach diesem Versuch prüfte er mit Hilfe seiner Familie, Freunden und Kollegen zahllose Heilpflanzen, tierische Giftstoffe und Mineralien. Ziel war es, herauszufinden, welche Befindensveränderungen bei Einnahme eines Mittels auftraten. Dies wurde genau festgehalten und so entstand die erste ausführliche Materia Medica der Homöopathie. In dieser Materia Medica sind alle geistigen, emotionalen, funktionellen und physischen Symptome – von Kopf bis Fuß – aufgelistet.

Hahnemann nahm den Arztberuf wieder auf und behandelte fortan nur noch homöopathisch, wobei seine homöopathische Behandlung auch Vorgaben für die Lebensführung beinhaltete, d. h. gesunde Lebensweise war ihm sehr wichtig. Die richtige Ernährung, täglich frische Luft, ein geregeltes Sexualleben usw. Allerdings merkte er schnell, dass die Heilwirkung nicht ohne Nebenwirkungen blieb. Die Arzneien wurden in Urtinktur gegeben und es kam zu Vergiftungserscheinungen. Daraufhin verdünnte er die Mittel, was jedoch die Arzneiwirkung verminderte. Als er die Arzneien verschüttelte, stellte er fest, dass jetzt die Heilwirkung sogar verstärkt wurde und die Nebenwirkungen ausblieben. Bis heute ist nicht nachvollziehbar, wie er auf diese Idee kam.

Diese Verdünnung und Verschüttelung erfolgt schrittweise und wird Potenzieren genannt. Die Wirkungsweise dieser so zubereiteten Arzneien ist chemisch nicht zu erklären. Es ist keine Substanz mehr nachweisbar. Wendet man die Arzneien nur verdünnt an, ist keine Heilwirkung mehr vorhanden. Erst durch den Verschüttelungsprozess ist diese gegeben. Da keine materiellen und keine chemischen Eigenschaften nachweisbar sind, ist der logische Schluss, dass es sich hierbei um einen energetischen Prozess handeln muss. Folglich kann es sich bei einer Heilung auch nicht um einen chemischen und materiellen Prozess handeln. In der Homöopathie spricht man von Lebenskraft. Bei einer Erkrankung kommt es zur Umstimmung der Lebenskraft, die durch das homöopathische Mittel wieder „in die richtigen Bahnen“ gelenkt wird. Der Selbstheilungsprozess wird angeregt. Es kommt nicht zur Unterdrückung der Symptome, der Organismus wird gestärkt und zur Aktivität angeregt.

Die Homöopathie ist nicht auf Mutmaßungen über mögliche Krankheitsursachen angewiesen, denn sie beruht allein auf Beobachtung. Für den Homöopathen sind die individuellen Krankheitssymptome des Patienten entscheidend; sie allein führen zur richtigen Wahl des Heilmittels. Der Homöopath verordnet dann eine Arznei, die in der Lage ist, beim Gesunden möglichst ähnliche Symptome hervorzurufen. Z. B. bei Durchfall ein Mittel, das Durchfall hervorruft; bei brennenden Schmerzen ein Mittel, dass diese Art von Schmerz hervorruft usw.

Schon vor Hahnemann haben Mediziner homöopathisch orientierte Gedanken und Spuren des homöopathischen Prinzips entdeckt: Hippokrates z. B. hat schon erklärt, dass Kälte erwärmt und Wärme kühlt. Jeder weiß, dass es bei Erfrierungen am besten ist, den betroffenen Körperteil zunächst mit Schnee abzureiben. Ähnlich bei Verbrennungen: die heilen am schnellsten, wenn man über die betroffene Stelle nochmals warmes Wasser – so heiß wie möglich –laufen lässt. Lässt man kaltes Wasser darüber laufen, lässt der Schmerz zwar kurzfristig nach, aber nur so lange, wie das Wasser darüber läuft. Danach wird der Schmerz noch schlimmer. Bei der Behandlung von Verbrennungen mit Wärme ist es genau umgekehrt: Der Schmerz nimmt zunächst an Heftigkeit zu, um dann rasch und dauerhaft nachzulassen.

Die eigentliche Domäne der Homöopathie sind die chronischen Erkrankungen. Aber auch bei akuten Erkrankungen kann man rasch und erfolgreich homöopathisch kurieren.